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8. WCCT 2005-2008 - Schweiz auf dem 9. Platz!
Reto Aschwanden wieder Weltmeister für Schachkomposition!
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Schweizer Erfolge

8. WCCT 2005-2008 - Schweiz auf dem 9. Platz!

[Abdruck der Berichterstattung von Thomas Maeder in der schweizerischen Problemschachzeitschrift idee & form (Nr. 100, Oktober 2008) mit kursiv gesetzten Ergänzungen.]

Mit der Bestätigung der Resultate durch die PCCC in Jurmala wurde die achte Austragung des WCCT (World Chess Composition Tournament - Mannschaftsweltmeisterschaft für Komposition) genau nach Zeitplan abgeschlossen.

Leider nicht ohne Misstöne. Die Nachwelt wird aber auch dieses WCCT nicht aufgrund irgendwelcher Querelen bewerten, sondern aufgrund der Qualität der Spitzenprobleme. Und nach dieser Wertung ist das 8. WCCT wie alle seine Vorgängerturnier ein riesiger Erfolg.

Die Schlussrangliste sieht folgendermassen aus:

#2#3#nStudienh#s#MärchenTotal
1.Russland14.042.045.039.031.045.036.0252.0
2.Slowakei44.039.035.025.538.032.036.0249.5
3.Serbien39.039.032.53.029.036.014.5193.0
4.Deutschland34.017.043.045.02.030.013.0184.0
5.Israel17.039.031.00.031.020.042.0180.0
6.Ukraine24.09.032.015.547.021.017.5166.0
7.Weissrussland35.00.019.511.09.041.028.0143.5
8.Frankreich32.07.00.00.010.018.035.0102.0
9.Schweiz0.022.04.00.021.04.532.083.5
10.Polen0.017.09.031.00.07.02.066.0

(27 Länder)

Die erfolgreichsten Einzelteilnehmer waren der Slowake Peter Gvozdják mit 107.76 Punkten vor den Serben Dragan Stojnić (88) und Marjan Kovačević (81.5)

Nach dem 7. WCCT bezeichneten wir den 12. Rang als Sensation - für diese Steigerung um weitere drei Ränge fehlen uns jetzt die Worte. Deshalb sofort zu den Problemen:

Zweizüger

In der Zweizüger-Abteilung waren Aufgaben mit thematischen Verführungen verlangt, wobei mindestens zwei Schlüssel und/oder Drohungen dieser Verführungen in der Lösungsphase als Mattzüge nach einer fortgesetzten Verteidigung folgen. Zu diesem Thema waren während der Kompositionsphase des Turniers zahlreiche existierende Darstellungen gefunden und allen Ländern zur Verfügung gestellt worden; eines der Richterländer bemerkte, dass nur wenige Bewerbungen etwas wirklich neues bringen würden.

Marjan Kovačević (SRB)
8. WCCT 2005-08
1. Platz

1) #2
Peter Gvozdják (SLK)
8. WCCT 2005-08
2. Platz

2) #2

Im Spitzenstück 1) beginnt die erste thematische Verführung mit 1.Sa5?; es droht 2.Le5#. 1. - S~/Sd3:! 2.Sab3/Scb3# (1. - Tf4/d6 2.Dh8/Sc6#), aber 1. - Lh2! Nach 1.Td1? (2.Se2#) verteidigt die gleiche fortgesetzte Verteidigung, aber die Matts ändern sich: 1. - S~/Sd3:! 2.Scb3/Db6# Diesmal widerlegt 1. - ed3:! Die Autoren reklamieren hier einen Sekundär-Dombrovskis (die gleiche Verteidigung (Sd3:) lässt einen Mattzug einmal zu und verteidigt einmal dagegen als fortgesetzte Verteidigung, wenn er die Primärdrohung ist - im wirklichen Sekundär-Dombrovskis sollte das aber zweimal vorkommen. An der Qualität der Aufgabe ändert das aber überhaupt nichts. In der Lösung folgen auf die thematische fortgesetzte Verteidigung nun die bisherigen Drohmatts: 1.Da5! (2.Dc3#) S~/Sd3:! 2.Le5/Se2#. Dieser Dreiphasenmattwechsel nach einwandfreier fortgesetzter Verteidigung ergäbe schon ohne die Rückkehr der Drohmatts ein erstklassiges Problem!

2) ist eine reichlich symmetrische Sache, aber wohl das einzige Problem, welches das verlangte Thema doppelt darstellt. 1.c6? (2.Sc4#) Se~/Sd4:! 2.d5/Dd4:#, aber 1. - Sc5! Nach 1.d5? (2.Sg4#) folgen Erstzug und Drohmatt der ersten Verführung auf die fortgesetzte Verteidigung: 1. - Se~/Sd4:! 2.c6/Sc4# (1. - Se4 2.Tae4:#) 1. - Lh5! Wenn Weiss die andere Halbbatterie aktiviert, wiederholt sich natürlich das Geschehen: 1.g6? (2.Sg4#) Se~/Sf4:! 2.f5/Lf4:#, aber 1. - Sg5! 1.f5! (2.Sc4#) Se~/Sf4:! 2.g6/Sg4# (1. - Sg5:!/Se4/cb2: 2.Lg5:/The4:/Dxb3:#)

Dreizüger

Aleksandr Kuzovkov (RUS)
8. WCCT 2005-08
1. Platz

3) #3
Martin Hoffmann & Chris Handloser
8. WCCT 2005-08
12./13. Platz

4) #3

Bei den Dreizügern waren Aufgaben verlangt, wo in der Lösungsphase Weiss im zweiten Zug zweimal die schwarze Figur direkt fesselt, welche gerade gezogen hat. 3) ist das überlegene Spitzenstück. Im Satz sehen wir bereits zwei thematische Abspiele: 1. - Dd5: 2.Ted6! 3.Tc4# und 1. - Ld5: 2.Tcd6! 3.Sc6/Te4# 1.Sc5? (2.f3/Te4+) schaltet die weisse Dame ein, und eine der vorherigen Fortsetzungen wandert: 1. - Dd5: 2.Tcd6! 3.Sb3/Sc6# 1. - Ld5: 2.Dd8! 3.Te4# (1. - Lf3 2.Te4+ Le4: 3.Se6#), aber 1. - Dc2:! 1.Se5! (2.Lg1! 3.f3#) schliesst den Zagorujko-Zyklus: 1. - Dd5: 2.Dd8! 3.Tc4# 1. - Ld5: 2.Ted6! 3.Sf3# (1. - gf4: 2.Lf4: 3.Le3#)

Im Gegensatz zur #2-Abteilung hatten wir hier drei gute Stücke einreichen können und waren entsprechend hoffnungsvoll; wir dürfen feststellen, dass wir nicht enttäuscht wurden. 4) ist einer von vielen reziproken Fortsetzungswechseln; im Gegensatz zu den weiter vorne klassierten Stücken sind hier die Varianten nur in der Lösungsphase thematisch; in der Verführung 1.g6? (2.Th1 ~/Dh1: 3.Th5/Dc8#) folgen nämlich die naheliegenderen Schachgebote: 1. - De6 2.Db5+ De5/Dd5 3.fe5:/Dd5:# 1. - Dd5 2.Dc8+ Dd7/De6 3.Dd7:/De6:#; 1. - De8! widerlegt. Die Lösungsphase ist aber sehr gut gelungen: 1.Sc4:! gibt ein Fluchtfeld, provoziert ein Schach und droht hübsch 2.Sd6+ Dd6: 3.Dd3# (1. - Ke4 2.Sd6+ Ke3 3.Dd3#) Die Themaverteidigungen der 5 fesseln den ": 1. - De6 2.Dc8! (3.De6:#) Dc8: 3.Sd6# 1. - Dd5 2.Db5! (3.Dd5:#) Db5: 3.Sd6# (1. - Dc4:+ 2.Dc4: 1. - d3 2.Se3+ Ke4 3.Dd3:# 1. - b5 2.Dc6:)

Thomas Maeder
8. WCCT 2005-08
16. Platz

5) #3
Roland Baier
8. WCCT 2005-08
17. Platz

6) #3

5) ist eines der bestklassierten einphasigen Stücke. 1.h6! droht 2.Tg6+ fg6: 3.Tf8#, wogegen Schwarz auf d6 schlägt: 1. - Td6: 2.Db6 (2.Sd5# A) T2b6: 3.Tf4# B 1. - Ld6: 2.Da6 (3.Tf4# B) Tb6(Td5/Te4:) 3.Sd5# A Der b-4 hat die Wahl zwischen Pest (Fesselung auf der 6. Reihe) und Cholera (Fesselung auf der langen Diagonalen), woraus ein le Grand-Wechsel resultiert; die "schwarzen Duale" in der zweiten Themavariante liessen sich leider nicht vermeiden. (1. - Sd6:/Sd8 2.Sd5+ Td5: 3.Dd8# 1. - Sg5 2.Sf4 (3.Sh5#) Lf4: 3.Tf4:#) Eine etwas steinreichere Realisierung dieses Schemas aus Deutschland landete einige Ränge weiter hinten; deren Autoren entschieden sich für den zu 1.d6 äquivalenten Schlüsselzug, welcher von einem der Richterländer als thematisch gelobt wurde. Ich entschied mich dagegen, weil mir die Entblockung von d5 und die Verstellung e5-c7 nicht gefallen.

Für das drittplazierte Problem eines Landes in einer Abteilung werden keine Punkte vergeben; im Preisbericht veröffentlicht wird es aber trotzdem. Dieses Schicksal ereilte sehr knapp auch 6), diejenige Schweizer Aufgabe, welche der Schreibende im Vorfeld zuvorderst erwartet hätte. Wie bei 4) sehen wir einen reziproken Wechsel, aber diesmal sind die weissen Fortsetzungen auch in der thematischen Verführung thematisch. Leider läuft in den Varianten aber nicht alles ganz dualfrei ab. 1.Da5? (2.Te5+ fe5: 3.De5:# 2. - Kd4: 3.Dc5/Tc4/Td3#, aber auch 2.Db5 (3.Dd3#) Td4: 3.De8#) 1. - Td4: 2.T5c4! 3.Dd5# 1. - Ld4: 2.T3c4! 3.De1# (1. - Td5 2.Sf6:+ Kf4/Kd4: 3.Sbd5:/Td5:# 1. - Kd4: 2.Da4/Db4/T5c4#) 1. - Sf7! widerlegt. Der Schlüssel 1.Ka2! droht 2.Te3+ Le3: 3.Dd3# (2. - Kd4: 3.Dc3/Tc4#) 1. - Td4: 2.T3c4 3.Dd3# 1. - Ld4: 2.T5c4 Te8/Ke5 3.Te3/De7# (1. - Ta8 2.Sf6:+ Kf4 3.Sbd5# 2. - Kd4: 3.Td5/T3c4/Td3#; 1. - Kd4: 2.Da4/Db4/T3c4#)

Mehrzüger

Valerij Šavyrin (RUS)
8. WCCT 2005-08
1. Platz

7) #4
Hemmo Axt & Frank Richter (GER)
8. WCCT 2005-08
2. Platz

8) #4

Die Mehrzügersektion verlangte Vierzüger mit mindestens zwei Varianten, in welchen ein weisser Stein auf das im Diagramm oder während der Lösung besetzte Feld zurückkehrt. 7) ist ein sehr eindrucksvolles Stück; der Name des Autors ist alles andere als eine Überraschung. Das Satzschach ist selbstverständlich gedeckt: 1. - Sf6:+ 2.Tf6:#, aber der Schlüssel 1.e6! gibt diese kurze Fortsetzung auf; es droht thematisch 2.Td5+ Ke6: 3.Sf4+ Tf4: 4.Td6# Das Variantenmuster Weglenkung des 6, Öffnung einer ehemaligen Fesselungslinie, Mattzug mit Rückkehr sehen wir hier noch dreimal; es kam auch in zahlreichen anderen Bewerbungen vor, selten allerdings so schlackenfrei wie hier. 1. - c3 2.Sh6:+ Ke5 3.d4+ Td4: 4.Sf7# 1. - Tf1 2.Sh4+ Kf4 3.de3:+ Te3: 4.Sg2# 1. - hg5: 2.Tf3+ Kg4 3.Se5+ Te5: 4.Tg3# mit Kreuz des 4. (1. - Sf6:+ 2.Lf6: hg5: 3.Lg5: 4.Sh4#)

Auch die deutsche Gemeinschaftsarbeit 8) realisiert eine Idee am besten, die des öfteren gezeigt wurde: im zweiten Zug Schachgebot mit linienöffnendem Schlag, im dritten Zug Rückkehr auf beiden Seiten und anschliessend Matt unter Ausnutzung der Linienöffnung. Hier wird das angereichert mit einem Zyklus der zweiten und vierten weissen Züge. 1.b4! (2.Tc5:+ Kd4 3.Tc4+ Kd5 3.De6:#) cb6: 2.De6:+ Kc6 Dd7+ Kd5 3.Se3:# 1. - Sf4 2.Se3:+ Ke5 3.Sg4+ Kd5 4.Tc5:# Der #f2 spielt nur einmal mit; dafür gibt es kein störendes Beiwerk, und die Varianten werden einheitlich durch Fernblocks eingeleitet.

Aleksandr Kuzovkov (RUS)
8. WCCT 2005-08
4. Platz

9) #4
Matthias Schneider
8. WCCT 2005-08
26. Platz

10) #4

Die thematischen Satzspiele von 9) funktionieren gleich wie die Abspiele von 7): 1. - Sd2 2.Sb6+ Kc5 3.Ld4+ Sd4: 4.Sd7# 1. - f5 2.Sc7+ Kd6 3.Le5+ Se5: 4.Sb5# Im Schlüssel wechselt der Läufer die Diagonale: 1.Lb4! und droht still 2.Ld6 e5 3.Sb6+ Ke6 4.Lc8# Nun folgen auf die Satzverteidigungen die vertauschten Fortsetzungen: 1. - Sd2 2.Sc7+ Kd4 3.Lc5+ Kc3 4.Sb5# 1. - f5 2.Sb6+ Ke5 3.Ld6+ Kf6 4.Sd7# Das Nebenspiel 1. - Sc5 spiegelt die Drohung: 2.Lc5: c3 3.Sc7+ Kc4 4.La6#)

Die einzige klassierte Schweizer Bewerbung 10) ist wesentlich einfacher gestrickt. Der glänzende Schlüssel 1.Lf4! droht thematisch 2.Le3:+ Ke5 3.d4+ Kd6 4.Lf4# Die Annahme des Opfers 1. - Kc6: führt gleich zu zwei Rückkehren: 2.Ta5+ Kb4 3.Ld6+ Kb3 4.Ta3# 1. - cd3: schliesslich führt zu einer weiteren: 2.Se6+ Kc4 3.Ta4+ Kb3 4.Sc5#

Studien

Wieland Bruch & Martin Minski (GER)
8. WCCT 2005-08
4. Platz

11) Gewinn

Das Thema der Studienabteilung tönt attraktiv: in einer Stellung, in welcher ein weisser Stein hängt, opfert sich ein zweiter. Die Spitzenstücke vermögen mich nicht wirklich zu überzeugen, weil die Hauptspiele in einem Wust von Nebenspielen untergehen. In 11) mit i&f-Beteiligung sind die beiden Hauptvarianten wegen der scharfen schwarzen Drohungen einigermassen einsichtig. Nach 1.a7 Ta5+ 2.Kb1 verzweigt sich die Sache: 2. - Ta7: 3.Sb6:+ Kb3 (Kb5 4.Sc8) 4.Te8 Se6 5.Te6: Te7 und jetzt das thematische Opfer 6.Sa4! Tc7 (Te6: 7.Sc5+) 7.Ta6 Th7 8.Sc5+ Kc4 9.Tc6 Kb5 10.Tc8 und der weisse Materialvorteil ist stabilisiert. 2. - Te5 3.Kc2 (Kc1 4.Te1+ 4.Kc2 b3+ 5.Kd2 Sf3#) b3+ 4.Kd1 Sf3 5.Sb6:+ Kb5 6.Tg5 (Thema!) Kb6: 7.Te5:

Hilfsmatt

Aleksandr Semenenko &
Valerij Semenenko &
V. Kopyl & R. Zalokockij (UKR)
8. WCCT 2005-08
1. Platz

12) h#3 3 Lösungen


Mario Parrinello (ITA)
8. WCCT 2005-08
3. Platz

13) h#3 b) wBe6→f6

Die Hilfsmattabteilung verlangte Dreizüger, deren Mattzüge auf ein Feld führt, welches im Verlauf der jeweiligen Lösung von einem schwarzen Offizier verlassen worden ist. Die ukrainischen Zwillinge Aleksandr und Valerij Semenenko belegten mit ihren beiden Stücken die ersten beiden Plätze, wobei sie beim Spitzenstück zwei weitere Autoren mit an Bord holten. 12) verbindet die Vorgabe mit dem Zilahi-Thema; zudem tauschen die weissen Hauptakteure verteilt über die drei Lösungen ihre Plätze: 1.Df5: Lf6 2.Dd7 Se3: 3.Ke6 f5# 1.Df4: Ld3: 2.Df6 b4 3.Dc6 Sf4# 1.Dg2: Lh3: 2.Dc2 f5 3.Dc5 Lg2#

Strategischer - ganz im Sinne unseres Themenvorschlags - geht es in 13) von unserem gegenwärtigen Preisrichter zu und her: in a) öffnet der 4 nach 1.Td6: cb8:D der Dame die Diagonale, aber so, dass der andere " anschliessend auf d6 Matt geben kann: 2.Te6:! Dg3+ 3.Ke4: Sd6# Analog b) 1.Tf5: c8D 2.Tf6:! Dh3+ 3.Kd4: Sf5#



Ruedi Wüthrich & Martin Hoffmann
8. WCCT 2005-08
6. Platz

14) h#3 2 Lösungen


Ruedi Wüthrich
8. WCCT 2005-08
25.-27. Platz

15) h#3 2 Lösungen

14) erhielt von allen Schweizer WCCT-Einsendungen am meisten Punkte; hier wird wie in 13) der Eindruck des Themas dadurch verstärkt, dass der schwarze Themastein das Themafeld im Verlauf der Lösung erst betritt: 1.Ta5 Lf8 2.Tc5:+ Kh6 3.Tc6 Ta5# 1.Lc1 Th3 2.Le3:+ Kh5 3.Lf2 Lc1# Eine sehr harmonische Sache!

Das gilt auch für 15), womit Ruedi zwei weitere Punkte ergattern konnte: 1.Sf4: Ld7 2.Lh3 Lf5: 3.Se6 Lh3:# 1.Sd3: Tc6 2.Tc1 Tc4: 3.Sc5 Tc1:#

Selbstmatt

A. Micholap & A. Bulavka &
V. Volcek (BLR)
8. WCCT 2005-08
1. Platz

16) s#3
A. Selivanov & A. Ažusin &
N. Pletenev (RUS)
8. WCCT 2005-08
3. Platz

17) s#3

Josef Kupper
8. WCCT 2005-08
6. Platz

18) s#3

Bei den Selbstmatts waren Dreizüger mit Annihilation des weissen Verstellers einer weissen oder schwarzen Linie verlangt, wobei die Demaskierung einer direkten schwarzen Mattbatterie ausgeschlossen war. Das Spitzenstück 16) stammt von einem weissrussischen Trio: 1.Sh5! Zugzwang 1. - Tg3: 2.Dh6+ Tg5+ 3.Kf6+ Le5# ist wohl die spektakulärste Variante dieser Abteilung des WCCT. Die beiden anderen: 1. - Lg3:+ 2.Kf5+ Le5 3.Dg5+ Tg5:# 1. - Sg3: 2.Kd5+ Se4 3.Dc3:+ Sbc3:# sind aber auch nicht ohne. Ausschlaggebend war aber, dass drei andere Versuche des " an den Zügen nach g3 scheitern: 1.Sg6/Sh3/Se2? T/L/Sg3:! Auf den nächsten drei Plätzen folgen alle russischen Einsendungen - schon diejenige auf dem viertem Platz ging also ohne Punkte aus!

17) kombiniert das verlangte Thema elegant mit einer weissen Allumwandlung. Der gute Schlüssel 1.La6! droht 2.e8T+ Kd7: 3.Dc7+ Tc7:# Nach den Königsfluchten wird der König durch die geeignete Unterverwandlung zurückgetrieben: 1. - Kd7: 2.e8L+ Ke6 3.Lc8+ Tc8:# 1. - Kf6: 2.e8S+ Ke6 3.f8S+ Tf8:# Schliesslich 1. - Ld6: 2.e8D+ Le7 3.Db6+ Tc6# An dieser letzten Variante scheitert der Fehlversuch 1.Lb7?

Die einzige klassierte Schweizer Bewerbung 18) hat einen unauffälligen Schlüssel, der eine stille Drohung einleitet: 1.Db4! (2.Dg4 3.De2+ Se2:#) Lb7: 2.2.Td5+ Ld5: 3.Db1+ Tb1:# 1. - Se6: 2.Dd6+ Sd4 3.Tb3+ Db3:# (1. - Df6: 2.Db3+ Dc3 3.Dc2+ Dc2:# 1. - De6: 2.Td5+ Dd5: 3.Db3+ Db3:# 1. - De7 2.Da3+ Da3: 3.Tb3+ Db3:# 1. - Lf4 2.Df4: (3.Df3+ Sf3:#) De6: 3.Tb3+ Db3:#)

Märchenschach

Lions (hier symbolisiert durch im Uhrzeigersinn gekippte Steine): ziehen auf den gleichen Linien wie ihre aufrechten Kollgen; zwischen Start- und Zielfeld steht aber immer genau 1 Stein (der sog. "Bock"); in Diagramm 19 kann der LLe1 also nach g3 und h4 ziehen.

Chinesen (hier symbolisiert durch im Gegenuhrzeigersinn gekippte Steine; Leo=chinesische Dame, Pao=chinesischer Turm, Vao=chinesischer Läufer): schlagen wie Lions, ziehen ansonsten wie ihre aufrechten Kollegen; in Diagramm 20 kann der LIh6 also z.B. nach g7, f8, h7 und h8 ziehen und nach h3 schlagen).

Anticirce: Bei jedem Schlagzug wird der schlagende Stein "zurückgestellt", und zwar:

  • König, Dame und Läufer auf ihr Partieausgangsfeld (e1/e8, d1/d8, c1/f1/c8/f8 je nach Farbe des Steins und (bei Läufern) der Feldfarbe)
  • Turm und Springer: analog Läufer nach a1/h1/a8/h8 bzw. b1/g1/b8/g8 je nach Farbe des Steins und der Farbe des Schlagfelds
  • Bauer: ohne Umwandlung: auf das Feld der 2. bzw. 7. Reihe (je nach Farbe des Bauern) auf der Linie des Schlagfelds; mit Umwandlung: Rückstellfeld des entstehenden Offiziers
  • Märchensteine: auf das Feld der 8. bzw. 1. Reihe (je nach Farbe des Märchensteins) auf der Linie des Schlagfelds

Wenn das Rückstellfeld vor dem Schlagzug besetzt ist, ist der Schlagzug illegal; dies gilt auch für Schachgebote (die ja den gegenerischen König zu schlagen drohen - deshalb stehen die Könige in keinem der 4 Diagramme im Schach).
In der Spezialform "Cheylan" darf zudem nicht auf das Rückstellfeld des schlagenden Steins geschlagen werden.

Rückstellkonflikt: In Anticirce wird eine Drohung mit Schlag oder ein Schachgebot durch einen Schlagzug, dessen Rückstellfeld mit demjenigen des drohenden Schlagzugs oder des Schachgebots übereinstimmt.

Peter Gvozdják (SLK)
8. WCCT 2005-08
1. Platz

19) #2 Anticirce Cheylan; Lions
Thomas Maeder & Reto Aschwanden
8. WCCT 2005-08
8. Platz

20) #2 Antcirce Cheylan; Chinesen

In der Märchenabteilung schliesslich waren Anticirce-#2 verlangt, die den "Rückstellkonflikt" zeigen - dieser Anticirce-spezifische Effekt verlangt zwingend den Einsatz von Märchensteinen, aber diese mussten einer von vier in der Ausschreibung festgelegten Gruppen angehören. In i&f 89 sind wir ausführlich auf diese Abteilung eingegangen. Das Niveau war sehr hoch, und 19) zum besten Problem des 8. WCCTs zu erklären, erscheint nicht allzu verwegen. Der wBb7 gibt nicht Schach, weil er sich beim Schlag des sKc8 umwandeln müsste - aber die vier Rückstellfelder b1, d1, f1 und h1 sind alle geblockt. Mit den Steinen, welche auf diesen Feldern stehen, bildet der wB also Batterien: 1.Dg2+? TLh5:(TL→h1)! 1.Tf2:(T→a1)+? TLf6:(TL→f1)! 1.Le2+? TLd7:(TL→d1)! Wenn der wK die Zuglinien dieser schwarzen Verteidiger verstellt oder verlässt, droht jeweils ein Batterieabzug; die Erstzüge und die Verteidigungen wechseln jeweils die von Schwarz angedrohten Rückstellkonflikte, was im folgenden durch "+" bzw. "-" und dem Feld, auf dem Schwarz zu schlagen droht, verdeutlicht wird: 1.Kf4? [+f6 -h5] (2.Dg2# A) 1. - Sd~ [+h2 -d7] 2.Le2# B. Die fortgesetzte Verteidigung 1. - Sf5! [+h2 -d7 +d7 -f6 -f6] 2.Tf2:(T→a1)# C 1. - LLe5! [+h5] widerlegt. 1.Kd5? [+h2 -d7] droht 2.Le2# B. 1. - Sd~ [+d7 -f6] 2.Tf2:(T→a1)# C 1. - Sf5! [+d7 -f6 +f6 -h2 -h5] 2.Dg2# A. Die Widerlegung ist diesmal 1. - TLf5! [+f6] Der Schlüssel 1.Ke6! [+h2 +d7 -f6 -h5] droht 2.Tf2:(T→a1)# C. 1. - Sd~ [+f6 -h2] 2.Dg2# A. 1. - Sf5! [+f6 -h2 +h5 -d7 -d7] 2.Le2# A. Mittels einer atemberaubenden geometrischen Anordnung geschehen die gleichen drei Mattzüge einmal als Primär-, einmal als Sekundärdrohung und einmal nach der immer gleichen fortgesetzten Verteidigung! Das Nebenspiel 1. - LLe~+ 2.TLe1# beschäftigt auch den vierten weissen Blocker.

Wie bei den Dreizügern brachten wir auch in dieser Kategorie alle drei Bewerbungen in den Preisbericht. 20) zeigt wie das Spitzenstück einen 3x3-Droh-Lačný, aber ohne fortgesetzte Verteidigung und mit profanerer Geometrie. Auch hier sind die zwei Themamatts spezifische Batterie-Abzüge: 1.D~+ (Schach durch Lc3) Kc1! 1.Db1+?! Ke2! (weil b1 jetzt geblockt ist). 1.Ke2+? (Schach durch die D) LE2d6:(LE→d1) 2.PAe1:(PA→e8)#, aber 1. - LE6d6:(LE→d1)! Weisse Erstzüge auf die e-Linie sorgen dafür, dass PAe8 e2 deckt, so dass Db1 spielbar wird; zudem ermöglichen sie den dritten Themamattzug PAe1:(PA→e8) mit Schach durch den wK. 1.Le4? [+c6 -d6] droht 2.PAe1:(PA→e8)# A Die Leos haben die wBB d6 und c7 im Visier und verhindern die anderen beiden Themamatts - vorerst; denn sobald sie den wLe4 angreifen, um gegen die Drohung zu verteidigen, entschwinden die Rückstellkonflikte auf c1 und d1: 1. - Leh1(g2) [+e4 -d6] 2.Ke2# B 1. - LEh3: (LE→h1) [+e4 -c6] 2.Db1# C. Die Widerlegung ist 1. - LEe6! Nach 1.Se6? [+e6 -d6 -d6] droht 2.Ke2# B Diesmal greifen die Leos den Bd5 an: 1. - LEh1(g2) [+d5 -c7] 2.Db1# C 1. - LEh3: (LE→h1) [+d5 -e6] PAe1: (PA→e8)# A Schwarz widerlegt durch Angriff auf Bd6: 1. - PAa6! Der Schlüssel ist 1.Se5! [+e5 -d6] droht 2.Db1# C; wenn die Leos den wBc6 angreifen, schliesst sich der Zyklus: 1. - LEh1(g2) [+c6 -e5] 2.PAe1:(PA→e8)# A 1. - LEh3:(LE→h1) [+c6 -d6] 2.Ke2# B

Reto Aschwanden
8. WCCT 2005-08
10. Platz

21) #2 Antcirce Cheylan; Lions
Thomas Maeder
8. WCCT 2005-08
26. Platz (Version)

22) #2 Antcirce; Chinesen

21) zeigt "nur" einen zweiphasigen Lačný, aber die Varianten haben es in sich! Wie üblich scheitert die sofortige Ausführung der Themamattzüge an der Besetzung der weissen Wiedergeburtsfelder: 1.Sh6+? LLb8:(c→b1)!; 1.LLg3? ist Selbstschach (LIe8:(e→e1)), aber andernfalls würde LLe3:(c→e1) parieren; 1.Df1:(D→d1)+? LLf1!; 1.TLh3:(T→h8)+? [+h8] LIh4:/LIh8:(e→h1) In der thematischen Verführung 1.f5? [-b8 -h4 +f5] droht 2.Sh6#, wogegen jeder Abzug des 2b5 verteidigt. 1. - Sb~ [+b8 -f5] 2.Df1:(D→d1)# A Der sS kann fortgesetzt verteidigen: 1. - Sc3! [+b8 -f5 +f6 -h8] 2.TLh3:(T→h8)# Aber der sS kann's noch besser: 1. - Sd4! [+b8 -f5 +f6 -h8 +h4 -e3] 2.LLg3# C. Die Widerlegung ist auch nicht ohne: 1. - LEh8! (2.Sh6+ [+b8] LEh8:b8(e→b1)) - ein weiter Weg von b2 nach b1 ... Der Schlüssel 1.Te5! [-b8 +e5 -e3 +f6 -h8] droht ebenfalls 2.Sh6#, und wir sehen dasselbe Verteidigungssystem mit zyklisch vertauschten Mattzügen: 1. - Sb~ [+b8 -e5] 2.LLg3# C 1. - Sc3! [+b8 -e5 +e5 -f6] 2.Df1:(D→d1)# A 1. - Sd4!! [+b8 -e5 +e5 -f6 +f4 -h4] 2.TLh3:(T→h8)# B

22) schliesslich blieb als drittplazierte Schweizer Bewerbung ohne Punkte; dieses Problem ist thematisch und konstruktiv wesentlich leichtgewichtiger. Wieder scheitern die Themamatts an Rückstellkonflikten: 1.Sd2+ A? PAb3:(PA→b1)! 1.PAd1:(PA→e8)+ B? VAd6:(VA→d1)! Durch Hinzüge auf und Wegzüge von den Verteidigungslinien der schwarzen Chinesen werden die beiden Mattzüge jetzt abwechselnd ermöglicht und verhindert: 1.fg4:(wB→g2)? [-b3] droht 2.Sd2# A 1. - Sg3 z [+b3 -d6] 2.PAd1:(PA→d8)# B, aber 1. - VAg3! x [+b3] 1.f5? [-d6] droht 2.PAd1:(PA→d8)# B 1. - Sg3 z [+d6 -b3] Sd2# A (1. - Sf2 2.Lf7#), aber 1. - PAg3! y [+d6] le Grand bezüglich 1. - Sg3. Der Schlüssel wechselt auf c5 von Deckung zu Selbstdeckung, mit Antikritikus über b5: 1.Tc5! (2.Lb5#) 1. - VAg3 x [+f3 -b3] 2.Sd2# A 1. - PAg3 y [+f4 -d6] 2.PAd1:(PA→d8)# B (1. - Ld7 2.Ld7:(L→f1)#) Ursprünglich stand auf f2 ein weiterer wB, weil ich übersah, dass nach 1. - Sf2 der wL b5 deckt; danke an die slowenischen Richter für den Hinweis! Dieses Stück wurde von den Richterländern sehr unterschiedlich aufgenommen. Einerseits wurde der Schlüssel kritisiert, weil er sSh1 immobilisiert - ich halte das nach wie vor für einen Vorzug, denn das vermeidet den zerstörenden Dual nach 1. - Sg3. Auch der Schlag des 3 durch einen Verführungserstzug wurde negativ kommentiert, aber dieser 3 macht den Schlüssel auf sehr ökonomische Weise eindeutig. Interessanterweise wurden dagegen in vielen Spitzenstücken weisse Lösungsnachtwächter kaum bemängelt.


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